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Samstag, 24. August 2019

Kunststücke

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Ich mag keine Comedy, ich mag Kabarett. Ich mag Humor, der mich zum Nachdenken anregt, bei dem auch mal ein Lachen im Halse steckenbleibt. Und ich hasse vorhersehbare Witze, insbesondere die auf Kosten anderer oder gar Minderheiten.
Eine schlechte Voraussetzung also für einen Abend im Kölner Senftöpfchen mit Ingo Oschmann, TV-Comedian. Keine freiwillige Wahl, sondern mitgehangen im Freundeskreis.

Erste Hälfte: grottige Gags, beglückter Plebs. Ein Abend wie Kaugummi – ausgekaut, sich ziehend. Endlich Pause nach – O.K., ich kann fies sein – von mir standhaft verweigertem Applaus und einer guten Portion Augenrollen. Oschmann geht ab, nur um kurz danach wiederzukommen, quer über die Bühne, schnurstracks auf uns zu. „Was ist mit Euch? Gefällt Euch das Programm nicht? Ich hab‘ den Eindruck, dass ihr so gar keinen Spass habt.“ Kein Vorwurf – echtes Interesse. Eine Gespräch entspinnt sich, fast über die gesamte Pause, über Humor, Comedy, Kabarett. Der Kerl ist nicht beleidigt sondern möchte von Herzen, dass sein Publikum einen schönen Abend hat. Wow!

Bleiben? Aber ja, alles andere wäre jetzt extrem unfair. Also Ohren zu und durch. Wieder Standup, wieder Augenrollen und immer mal wieder sein Blick: „Na?“
Dann, irgendwann, Themenwechsel auf der Bühne: eine Geschichte aus seinem Leben. True story. Über verpasste Gelegenheiten. Nah und mit Niveau.
Danach holt er ein Mädel, 16, auf die Bühne, zeigt einen Zaubertrick als charmante Einleitung für einen sehr philosophischen Dialog mit dem Publikum über Träume, Mut, Scheitern. Applaus – auch von mir.
Schließlich ein exzellent ausgeführter Seiltrick und eine große Portion Philosophie zum Thema „Es ist nie zu spät, das zu beginnen, was Du wirklich willst im Leben.“ Das Comedyvolk lauscht, klatscht – und kapiert!

Ist das der Oschmann aus der ersten Hälfte? Im improvisierten Dialog, mit gutem Humor, authentisch seine Message rüberbringend? Unglaublich.
Ein gerade noch geretteter Abend und dazu ein After-Show-Gespräch, das beinahe freundschaftlich war. So hat ein Comedy-Star sich den ersten Eintrag in einem Kunstblog verdient. Auch ein Kunststück!

© Till | facebook.com/till.eitel


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